Den Schimmer eines Schattens als Verheißung wahrnehmen.

Es begann damit: Im Zug mehrere Menschen im ersten Wahrnehmen für jemanden gehalten, den ich kenne. Wie wenn man in einem müden Zustand ein aufgehängtes Hemd oder eine menschenähnlich große Form mit einem Lebewesen kurz verwechselt; nicht wirklich: kognitiv klar kategorisiert als Täuschung, aber dennoch mit einem archaisch instinktiven Schreck verbunden; im Düstern halben Bewusstseins bei Nacht.

Aber es war ja Tag.

Das Bewusstsein also müder Hilfeschrei: gib mir eine Pause, ich bin müde. Angestrengt. Davon, zwei Tage in fremder Umgebung funktioniert haben zu müssen: mit fremden Menschen agiert zu haben; verwirrt davon, festgestellt zu haben, dass keine stabile Selbstidentifikation vorhanden ist für dich. Für mich. Für dieses Bewusstsein. Fremde Umgebung wie eine zu beschreibende Fläche: “sei”. Wer?

Austarieren der Möglichkeiten von Selbst: Wer bin ich denn hier also? Wär ich der, der ich wär, wenn alles möglich wär, wär ich womöglich wer. Wer?

Jemand Unangemessenes vielleicht. Rahmensetzungen und Grenzen: Was kann ich hier sagen? Was tun? Wo sind die Grenzen dessen, was machbar ist im Hinblick auf die Irritation der Anderen? Soziale Angemessenheit erforschen.

Und das Bewusstsein so gespannt, wie eine dünne Membran, wie fein gepresste Blätter, wie irgendwie ausgetrocknete Frischhaltefolie, wie ein Lampenschirm aus Haut, wie ein Sprungtuch unterm Brand, in das ich versucht bin, hinein zu springen. Aber mit diesem Gefahrenhinweis: wir reißen bald! Gib uns Bewusstseinshaltern eine Pause.

Was ich dann tat. Sozusagen. Nur anders, als es wohl gut wäre. Zum Beispiel durch Schlaf und Sport. Das wäre eben gut. Eine gute, Bewusstseins- und Selbststabilität fördernde Pause. Aber das tat ich eben nicht. Sondern gab dem müden, schon beinah an mir vorbei entscheidenden Bewusstsein nicht mehr den Befehl nach links, nach Hause, sondern mit allem Gepäck und dem Nackenkissen im Nacken, nach rechts zu gehen. Und rechts waren Biere. Und Menschen. Wieder fremde Menschen. Wieder: Flächen der Wer-Werdung. Aber hier eben: in der Stadt, in der ich ja lebe; wo also externe Identifikation meiner Erscheinung gegeben ist: wo also die Frage gar nicht herrscht: was ist alles möglich, weil eigentlich das wesentliche Suchende verunmöglicht ist hier: hier bist du Mutter, hier bist du Mieter. Hier möchtest du nicht nachts bei müdem Bewusstsein auf Menschen treffen, die dich in deinem Alltag reidentifizieren. Lehrer. Zum Beispiel. Oder aber auch: die jahrelang Suchenden: die schrägen Loner der düstren Nachtzeiten, auf der Suche.

Nach was? Dem Schimmer eines Schattens, den das löchrig gewordene Selbst im Zwielicht auf die Hauswände wirft. Glimmernde Verheißung.

Verheißung vorschneller Formwahrnehmung eines sich nicht mehr einfangen lassenden Begehrens: pass auf, gleich dissoziiere ich dich in eine schönere Welt, in der Bedeutungszusammenhänge einfach entstehen. Träumen halt.

Aber es war ja noch Tag. Und die Frage dann bei Tageslicht auch vielleicht: Was ist machbar im Hinblick auf die Irritation meinerselbst durch mich. Wen möchtest du dir selbst vorspielen eigentlich?

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s