Verwirrung: die allmähliche Verfertigung der Hülle beim Leben.

Du warst in der Therapiestunde und hast 40 Minuten lang wirr gesprochen. Fäden aufgenommen, versucht, deutlich zu machen, warum es wie wichtig ist; das, was wichtig war. Und das war eben die Frage nach der Diagnose.

Und darüber willst du jetzt gar nicht erst nachdenken. Jetzt willst du lieber rauchen eigentlich. Oder essen. Oder rennen. Also: erforsche das Bedürfnis hinter dem Bedürfnis.

Ausweichbewegungen.

Lass sie aber sein und schau in dich hinein: warum war das wichtig? Weil du das Gefühl hattest: erst wenn du weißt, was du eigentlich hast und wieviel davon in dir festgelegt und grundsätzlich nicht mehr änderbar ist und auf wieviel davon du Einfluss hast: dann erst kannst du dir jederzeit das richtige Gerüst aus Handlungsanweisungen überziehen.

Wann akzeptieren? Wann kämpfen?

Wann aufs Gefühl hören? Wann auf keinen Fall aufs Gefühl hören?

Wann streng sein? Wann loslassen?

Das Gefühl, dass das eben wichtig ist: wann welche Hülle sich anziehen, welches begrenzende Kostüm, welche Haut sich überwerfen, wo die Systemgrenzen setzen. Weil die eben nicht einfach gesetzt sind in dir und auch nicht, wie das vielleicht eigentlich sein sollte, sich wie Pupillen dem jeweils einfallenden Licht anpassen. Sondern eben irgendwie verzerrt oder unförmig starr oder einfach gar nicht da sind.

Und wenn du nun also zum Beispiel eine bestimmte Form der Sensibilität oder Filterlosigkeit hast oder eben eine bestimmte Form der Reizverarbeitung, die sich von der Norm unterscheidet und wenn das nun mal nicht zu ändern wäre, auch nicht durch deinen inneren eisernen Willen, dann dürftest du an dieser Stelle eigentlich gar nicht kämpfen. Dann wär das einfach so.

Und das müsstest du dann akzeptieren. Dann würdest du dein Leben da drum herum bauen: bestimmte Situationen, wenn möglich, meiden.

Und wenn es aber so wäre, dass du allseits ganz formvollendet normale Wahrnehmungsapparate hättest und in diese besonderen Zustände aus anderen Gründen gerätest: dann hieße das eben, dass du kämpfen müsstest. Und dass du eben dein Leben nicht darum herum bauen dürftest: bestimmte Situationen auf keinen Fall meiden.

Und das kann aber niemand für dich entscheiden. Nicht mal eine Diagnose. Weil die eben nicht immer stimmen. Und selbst wenn: weil selbst, wenn du dein eigenes Gehirn bei der Verarbeitung im bildgebenden Verfahren beobachtetest und sähest, dass da Teile der Verarbeitungskette “fehlen”, dann hieße das ja letztlich trotzdem noch nicht, dass man das nicht ändern kann.

Oder?

Und das ist eben die Frage: wie Materie und Wille aufeinander wirken und wo die Grenzen der bidirektionalen Beeinflussbarkeit sind.

 

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

w

Connecting to %s