Balance. Ich hasse dich, verlass mich nicht. 1 Buch, 2 Abgrund, Dissoziation und Realität.

Ein gutes Buch heißt “Ich hasse dich, verlass mich nicht”. Ich habe es gelesen, dabei ab und an geweint und viel davon schnell … also … vergessen. Bei diesem Vergessen konnte ich gut zusehen: das, was vergessen wurde, waren Wahrheiten, die mich traurig gemacht haben und die ich mir dringend merken wollte. Also Wahrheiten darüber, wie es sich anfühlt, emotional instabil zu sein. Oder was man dann eben so macht, vor allem in Nahbeziehungen. Wenn ich versucht habe, mir eine Stelle besonders gut zu merken, wurde der Denk- und Erinnerungsweg plötzlich merkwürdig glitschig und das zu Merkende rutschte so ab, Klippe hinunter. Hinter wattigem Widerstand versteckt. Fühlbarer Widerstand im Kopf: da dahinter kommst du jetzt nur noch mit viel Konzentration. Also nochmal und nochmal dieselben Stellen gelesen. Und trotzdem keine zitierfähig geblieben. Was übrig blieb, war lediglich die Erinnerung an die im Buch vorgeschlagene Kommunikationsstrategie, die Andere gegenüber emotional instabilen Menschen anwenden können.

SET-Kommunikation. Steht für: Support, Empathy, Truth. Zunächst eine Aussage tätigen, die den Eindruck des Interesses erweckt. So wie: “Du wirkst auf mich heute zart besaitet.” Oder: “Ich sorge mich um Dich.” Dann Verständnis markieren, aber nicht übergriffig. “Wenn mir dies oder jenes passiert wäre, wie es Dir passiert ist, würde ich mich womöglich so oder so fühlen.” Oder: “Zu diesem Erlebnis gehört oft dies oder jenes Gefühl.” Dritter Schritt: konfrontierende Wahrheitsansage. “Dein Verhalten in dieser Situation wird zu dies oder jenem führen.” “Mag sein, dass es Dir nicht gefällt, es verhält sich aber so und so.”

Habe es an Menschen ausprobiert, auch an solchen, die keine Persönlichkeitsstörung haben – obwohl nicht verbürgt werden kann, ob ich solche tatsächlich kenne – funktioniert einwandfrei. Kann man auch mit sich selbst machen. Ganz einfach: “Du wirkst auf mich heute irgendwie radikal frei und bindungslustig.” (Verschnörkelter Code für: du legst Suchtverhalten an den Tag.) “Wenn ich nicht genau wüsste, wie es weitergeht, auf ein Stipendium warten würde und Bewerbungsgespräche führen müsste, während ich einen Vertrag erfüllen müsste, dessen Deadline näher rückt und nicht genau wüsste, wie ich in zwei Wochen meinen Kindern Essen auf den Tisch stellen sollte, würde ich mich möglicherweise ein bisschen unsicher oder unter Druck gesetzt fühlen.” Ja! Ich fühle mich von mir schon gut verstanden. “Es verhält sich aber so, dass nichts davon leichter wird, wenn du – statt den Artikel zu schreiben und dich auf Bewerbungsgespräche für Berufe vorzubereiten, die du gar nicht haben willst – dich mit Zigaretten, Alkohol und Geschlechtsverkehr ablenkst.”

Reality bites.

Don’t let it in, but let it in. Schau nicht gleich in den existenziellen Abgrund, aber dissoziiere auch nicht die Realität deines Lebens weg. Geh den stabilen, aber flexiblen Mittelweg.

 

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