Du fehlst mir, jeden Tag.

Du hast mich angelogen. Du hast mir Albträume gemacht in der Nacht. Du hast mich verwirrt, meine Energie konsumiert, meine Sicherheit und mein Selbstwertgefühl reduziert. Einmal hast du mich angeschrien. Einmal hab ich Dir den Schlüssel zu meiner Wohnung abgenommen.

Wofür zoll ich Dir Respekt?

Dass die Zeit keine verlorne sei: dass daraus zumindest irgendetwas Gutes entwachse.

Dass Du dennoch da warst: als Mensch. Mit Händen, mit Augen und mit einem Körper. Dass Du in meiner Küche standest und dass Du kochtest. Dass Du reagierst. Dass Du mich kennst. Oder zu kennen scheinst. Dass Du mir mich wiederspiegeln kannst, weil Du es so brauchst. Dass Du aber deshalb ab und an genau hinsiehst. Aber nicht siehst, wo mein Herz steht. Dass Du nur die Lücken siehst, in die Du denkst, hineinsurfen zu können. Dass Du versuchst, anzuknüpfen an Phantasien über mich, die nie ich waren. Die Art, wie Du mich wahrnimmst. Falschnimmst. Ein einziges großes Missverständnis, produktiv. Destruktiv. Was Du von mir willst? Das Gefühl der Macht. Was ich Dir geben möchte. Das Gefühl. Deines. Und die Macht. Nimm. Gib. Sei. Fühle. Sag, es tut Dir leid. Fühl es bis in die Knochen, wenn Du es sagst. Werde jemand.

Persona.

Du tönst durch mich hindurch. Ich sehe: dein Gesicht. Du: eine Sucht. Methadonboys kein Ersatz. Nur Pflaster. Auf einer Wunde, die Du hinterlassen hast. Die schon immer da war.

Die Mutter hinterlassen hat. Die verwirrte Welt dieser meiner Eltern, die mir noch immer Gefühle machen, die nicht stimmen. Das vertraute Misstrauen zu den Nähesten.

Und dann: entscheide dich, dich selbst jetzt: was willst du? Was kennst du? Wie sollst du navigieren in einer unbekannten Welt? Was heißt das: nie und nie der eigenen Intuition vertrauen? Dein Dasein auszuschütten mit der Erkenntnis, dass all deine Individuation auf Sand gebaut ist. Dass du das aber bist. Dass du fühlst, wenn du fühlst. Dass deine Grenzen erst noch dein sandiges Fundament mitreißen werden. Dass dein Haus nie solide gebaut sein wird, wenn du nicht gegen dich selbst arbeitest. Dasjenige selbst, das du geworden wurdest. Wofür du nichts kannst.

Vertraue.

Wem?

Die Menschen, die dich lieben sollten, einfach so, weil sie dich in die Welt setzten: verwoben im Dickicht ihrer eigenen Wunden. Süß. Hängengeblieben irgendwie. Kann man kaum sauer sein darauf? Kann man? Kann man sehen. Kann man nehmen. Kann man eigene Handlungsmacht erkennen. “Dies ist, was ich tue.”

Dies bin Ich geworden.

Diese Gefühle hat Ich. Hat Es. Der Versuch, sich zu verlieben: das Verlieben immer nur als Andockstelle für ungeordnete alte Schmerzen. Wie überlistest du dich selbst? Sollst du das? Wo ist: vorne? Wo schließt du dich wirklich an? Immer im Altbekannten. Ich kommt nicht über Es hinweg.

Du, jetzt Du wieder: mein Spiegel. An Dir gedachte ich, alles gut zu machen, was an mir falsch ist. Dich zu Deiner eigenen Liebe zu führen, die mich mitlieben würde. Also mich selbst zu meiner eigenen Liebe zu führen, die mich mitlieben würde, an deren statt. Das Lieben generell freischalten würde. Und ob das stimmt: dass es immer nur ich selbst war in Dir, den ich liebte? Oder ob wir beide, irgendwie ähnlich verwundet, anders ausgespielt, uns wirklich jemals trafen.

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