Ratgeberliteratur #1: Sei jemand, der dich glücklich macht. Oder denk an Blixa Bargeld.

Na klar! Ist doch logo! Natürlich braucht man keine Anderen oder Anderes, wenn man sich selbst glücklich macht. Also auf zu diesen autonomen Ufern! Sei Tom Hanks in Cast Away. Beziehe eine Insel und bleibe dabei, zumindest halbwegs, vernünftig.

Denn so fühlt das sich nun mal an. Ohne jemanden zu sein. Also sich selber glücklich zu machen. Cast Away. Weggesperrt. Was für ein Motivationssprecher sich das ausgedacht haben muss. Naklar: Autonomie gegen Sozialzusammenhang.

Aber denk halt nicht so destruktiv und wütend: denn so meinen die das ja nicht. Die meinen ja: man darf schon Freunde haben. Nur eben halt nicht seine ganze Daseinsberechtigung und sein Glück aus einer Beziehung zu einem Menschen schöpfen. Weil das wäre ja auch für denjenigen relativ anstrengend. Und auch unsexy irgendwie. Und bringt ja auch nichts. Weil man ja selbständig sein muss, so insgesamt.

Ok. Also sei eben jemand, der dich glücklich macht.

Nur, was, wenn das nicht hinhauen will? Dann denkt man noch so’n Spruch: Love it, change it or leave it.

Ja. Das heißt jetzt, zumindest in meiner Welt, konkret: Wenn das mit der Selbstliebe gerade nicht so gut laufen will – und das kann schon mal passieren, wenn man eine solche nicht in der Kindheit durch die Anwesenheit wohlwollend zugeneigter Eltern introjiziert hat  – dann hat man eben zwei Möglichkeiten: change it or leave it. Und change it: Ja, ok. Mach eine Therapie. Geh laufen. Räum auf. Sortier deine Sachen. Draußen in der Welt und drinnen im Kopf. Mach Kampfsport. Geh tanzen. Bade. Koche. Verändere deine Selbstwahrnehmung und sei dir etwas wert. Und dann: Lebe. Liebe. Lache. Change! Change now! Jetzt, Sporen an: sei Pferd und Reiter zugleich: objektiviere dich und optimiere dich. Change until you love it! It! It! Dich! Es! Liebt euch!

Oha. Aber verfalle dabei keinem Wahn. Schau mal, da hast du schon gleich destruktiv und viel zu verrückt (der Tennisspieler!) gedacht. Weil: das ist doch gut. Veränderung. Mach diese Sachen. Die machen schon immer relativ zufrieden. Für eine Weile. Aber manchmal hilft so und soviel Selbstsorge eben auch nicht weiter. So und so viel Skillsanwendung, Gespräch, Traumatherapie und Selbststabilisierungsversuch durch wohlwollende Zuneigung sich selbst gegenüber. FUCK IT! Sagt dann der Clown in mir. Wir wolln frei sein! Lass uns raus! Wir wolln hier nicht durch deine Selbstsorgekorsette stumm gemacht werden! Wir sind noch da! Wir wollen gehört werden!

Und dann hört man besser mal zu. Und versorgt diese Clowns mit genügend Trauerarbeit. Weil die den Spruch auch kennen. Und die entscheiden ansonsten ganz schnell: leave it. Und das ist ganz einfach für die. Die Clowns da drinnen. Leave it: das heißt für die immer erstmal, es wird die Entlastungsphantasie Suizid eingestellt. Aber das ist ja keine Option, als Mutter. Zumindest, wenn man will, dass die Kinder nicht selbst mal so werden *räusper, klirr*. Beste nächste pathologische Tricks der Selbstentfremdung (“leave it”) sind dann:

  1. Für weniger geübte (Einsteiger): Panikattacke. Schafft gute Distanz zum eigentlichen Problem und lenkt ab.
  2. Für interessierte Wiederholungstäter: Depression. Ist wie Schockstarre und verhindert ebenfalls effizient die Beschäftigung mit Veränderung oder Selbstliebe.
  3. Für Fortgeschrittene: Dissoziation. Ähnlich wie bei der Panikattacke wird Distanz geschaffen und abgelenkt, nur dass meist die unangenehmen Angstgefühle durch angenehmere oder phantastischere Weltwahrnehmung ersetzt werden.
  4. Für Experten: Multiples Dasein. Schalte einfach um zwischen verschiedenen Personen. Verlasse die Person, die dir unangenehm wird und sich nicht lieben oder verändern lassen will und sei eine Andere.

Wenn man es ein bisschen praxisnäher und weniger verkopft haben will, bietet sich stattdessen der Ausflug in substanzinduzierte Zustände an. Am besten Kokain. Und wenn das dich nicht zu jemandem macht, der sich selbst glücklich macht, also, dann weiß ich auch nicht weiter.

Dann musst du eben doch singend und gemüseanpflanzend die Sonne genießen und ganz unübertrieben mit ruhigem Vergnügen in die Welt sehen:

Ach ja. Und bevor ich das vergesse: natürlich gibt es noch eine Strategie. Wenn all das dir zu blöd, albern oder anstrengend ist, dann kannst du auch Narzisst sein. Denn ein Narzisst macht sich selbst durchaus glücklich, auch ohne autonom zu sein. Wie das geht, erfährst du zum Beispiel hier.

 

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