World Narcissistic Abuse Awareness Day

Das ist heute, am 1. Juni.

Warum ist das wichtig? Weil narzisstisch persönlichkeitsgestörte Menschen viel zu leicht unerkannt tun, was sie tun und anderen Menschen damit schaden. Der emotionale und eventuell auch finanzielle und soziale Schaden, den pathologische Narzissten hinterlassen, ist zwar an den Geschädigten sichtbar, wird oft aber nicht auf den Kontakt mit einem Narzissten/einer Narzisstin zurückgeführt. Das Erlebnis narzisstischen Missbrauchs ist, ohne Kenntnis der Muster, nach denen narzisstisch persönlichkeitsgestörte Menschen handeln, nicht nur schwer zu beschreiben, sondern meist als solches für den Geschädigten gar nicht fassbar.

Und auch wenn der Geschädigte die Handlungsmuster seines Schädigers als narzisstisch persönlichkeitsgestörtes Verhalten erkennt, ist es wahrscheinlich, dass er mit dieser Erkenntnis und vielen, vielen Fragen zunächst alleine da steht. Deshalb ist dieser Tag wichtig: damit Menschen, die Opfer narzisstischen Missbrauchs geworden sind, zweierlei wissen: Erstens, dass es das wirklich gibt, narzisstischen Missbrauch, und dass dieser keine Erfindung von frustrierten verlassenen Beziehungspartnern oder überempflindlichen Sozial-Hypochondern ist, sondern ein deutlich beschreibbares Verhaltensmuster, das aus einer diagnostizierbaren, schweren psychischen Störung resultiert. Zweitens, dass es möglich ist, die Wunden dieses Missbrauchs zu heilen.

Obwohl es Opfern narzisstischen Missbrauchs vielleicht nicht gefallen wird, sei aber hinzu gefügt, dass auch auf Seiten des Opfers von Narzissten die Wahrscheinlichkeit, diagnostizierbare Krankheiten und bestimmte Charakterzüge zu finden, relativ hoch ist. Co-Abhängigkeit, geringes Selbstwertgefühl oder eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung können auf seiten des missbrauchten Partners vorliegen, sowie auch ein hohes empathisches Vermögen und eine Vergangenheit mit bereits erlebtem Missbrauch oder anderen Traumata wahrscheinlich ist.

Seiten, die über die narzisstische Persönlichkeitsstörung aus persönlichen Perspektiven aufklären, sind zum Beispiel http://umgang-mit-narzissten.de, http://www.narzissmus.org und aus der Sicht eines Narzissten selbst https://narcsite.com. Psychologische und psychoanalytische Theorien zur narzisstischen Persönlichkeitsströrung wurden seit Beginn des 20. Jahrhunderts formuliert.

Für mich persönlich ist dieser Tag wichtig, weil ich nicht nur eine narzisstische Mutter, sondern selbst schwächer ausgeprägte narzisstische Persönlichkeitsstrukturen der verdeckten und verletzlichen Art habe – die sich allerdings mit einer emotional instabilen Persönlichkeitsstruktur vereinen – und gleichzeitig eine Partnerschaftsbeziehung, sowie eine enge “Freundschaft” mit zwei verschiedenen Narzissten erlebt habe. Das klingt vielleicht unwahrscheinlich und vielleicht ist es das auch, andererseits haben solche Konstellationen eine innere Logik, die sich daraus ergibt, dass Narzissmus einerseits gehäuft in Familienlinien auftritt, andererseits dauerhafte und gelungene zwischenmenschliche Beziehungen zu “normalen” Menschen für Menschen auf dem narzisstischem Spektrum relativ unwahrscheinlich sind. Allerdings ist die Frage, was “gelungene” zwischenmenschliche Beziehungen denn seien, in diesem Kontext berechtigt: nimmt man an, dass die Beschreibung “gelungene zwischenmenschliche Beziehung” gegenseitiges Verständnis, Rücksichtnahme und Anteilnahme bedeutet, so muss wohl gesagt werden, dass “wir” zu solchen Beziehungen nur bedingt in der Lage sind und dass aber paradoxerweise zumindest Anteilnahme und gegenseitiges Verständnis eher in Konstellationen möglich werden, in denen auf beiden Seiten narzisstische Strukturen vorliegen.

Ich für mich selbst habe sowohl bereits andere Menschen ausgebeutet und Kontaktabbruch dererseits erlebt, als auch gegen “stärkere” Narzissten “verloren” und selbst erfahren, wie es ist, diesem Missbrauch ganz zu erliegen, sowie selbst Kontaktabbruch initiiert. Als zusammenfassendes Fazit dieser Beziehungen blieb mir selbst die Erkenntnis, dass ich lernen muss, beziehungsweise mich immer wieder daran erinnern muss, dass Selbstregulierung, Unabhängigkeit von narzisstischer Zufuhr und der konstante Versuch, die Positionen anderer wahr und ernst zu nehmen, der einzige Weg sind, sowohl selbst zufriedener und ruhiger, als auch sozial verträglicher und weniger schädlich zu sein. Und das ist ein täglicher Kampf mit der inneren Struktur, der nicht immer gewonnen werden kann, der sich aber – zumindest auf lange Sicht – deshalb lohnt, weil er kleine Fenster von echtem, wohlwollendem und warmem zwischenmenschlichem Kontakt ermöglicht.

Es ist im Übrigen eine augenöffnende Erfahrung, selbst diesen Missbrauch zu erfahren und dadurch gespiegelt zu bekommen, wie es sich anfühlt, auf diese Art objektiviert zu werden; eine Erfahrung, die mich selbst davor bewahrt, dieses destruktive Verhalten an anderen intensiv auszuleben – der Hunger nach Zufuhr bleibt aber dennoch, wie auch der Versuch, den Mangel auszuhalten und mir selbst Halt zu sein.

Und zum Ende vielleicht noch ein Hinweis darauf, dass die narzisstische Persönlichkeitsstörung zwar nicht heilbar ist, aber eben verschiedene Ausprägungen hat und zumindest, wenn man das wirklich will, in ihren Handlungsauswirkungen regulierbar ist. Wie die emotional instabile Persönlichkeitsstörung – bis zur Einführung der dialektisch-behavioralen Therapie nach Marsha McLinehan – als unheilbar und unbeeinflussbar galt, glaube ich, dass auch die narzisstische Persönlichkeitsstörung, je nach Schwere der Ausprägung allerdings, mit geeigneter Therapie und viel gutem Willen in unschädliche Bahnen gelenkt werden kann. Dieser persönlich motiviete Glauben soll aber nicht die Anerkennung des Leids schmälern, dem Menschen ausgesetzt werden, die mit Narzissten in Nahkontakt geraten sind und den narzisstischen Missbrauch mit seinen vernichtenden Auswirkungen erlebt haben: es ist eine niederschmetternde, hoffnungsraubende, misanthropieförderliche und persönlichkeitszerstörende Erfahrung, die ich niemandem wünsche und von der eine Heilung nur mit viel Selbsterkenntnis, neuen Grenzsetzungen und Schmerz möglich ist. Allen, die das erfahren mussten, wünsche ich, dass sie erstens verstehen, was ihnen da geschehen ist, dass sie zweitens von irgendwoher Bestätigung ihrer Wahrnehmung erfahren und dass sie drittens wieder heil werden und liebevollen Umgang mit sich selbst und durch andere erfahren.

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