Der Hase und der Bär.

Es war einmal ein Bär, der lebte im Wald und war süchtig nach Honig. Er streifte im Wald umher, um Freunde zu besuchen, die oft Honig für ihn zu Hause hatten. Eines Tages sah er einen Hasen auf der Wiese sitzen und konnte kaum glauben, was er da sah. Der Hase hatte an die zwanzig verschieden große Töpfe voll Honig um sich herum stehen. Aber der Hase aß den Honig nicht. Er schüttete die Töpfe aus, sprang hinein und wieder heraus, schmetterte sie auf den Boden und blieb mit den Pfoten daran hängen. Der Bär ging näher heran, um den köstlichen Honig ein bisschen riechen zu können. Da sah er, dass der Hase sich wand und weinte, an dem ganzen verschütteten Honig festklebte, sich kaum bewegen konnte und von den Scherben zerschnitten war.

Da sagte er: “Du, Hase. Ich kann dir vielleicht helfen.” Und er leckte den Hasen sauber und leckte all den Honig auf und leckte die Töpfe leer.

Danach saßen die beiden lange auf der Wiese und schauten in die Ferne.

“Danke”, sagte der Hase. “Gern und jederzeit”, sagte der Bär.

Da hoppelte der Hase davon und verschwand in einem Loch. Der Bär streifte weiter durch den Wald und besuchte seine Freunde, besuchte die vielen Stellen im Wald, von denen er wusste, dass dort Blumen wuchsen, die man ablecken konnte. Aber er dachte oft an den Hasen und wollte sehen, was mit seinen Vorräten denn war. So suchte er ihn und konnte ihn nicht finden.

Da dachte der Bär: “ich werde wohl in seine Höhlen hinein müssen.” Und er versuchte sich hineinzuzwängen in die engen und verwirrten Gänge des Hasenbaus. An einer Stelle schaffte er es und sah den Hasen dort, aber es war kein Honig nirgendswo nimmer zu sehen. “Du Hase. Wieso liegst du hier so in deinem dunklen Labyrinth? Komm mit mir nach oben.” Der Hase setzte sich dem Bären auf den Rücken, krallte sich in sein Fell und roch an ihm.

“Jetzt, wo wir hier oben sind, Hase, hast du mir vielleicht ein bisschen von deinem Honig?” Aber der Hase wusste gar nicht, wovon die Rede war. Da verschwand der Bär wieder im Wald. Der Hase wurde traurig und weinte. Wie immer, damit es niemand sehen würde, weinte er in an die zwanzig Töpfe, bis er endlich leer war.

Der Bär stapfte im Wald umher und witterte etwas: da war doch etwas. Und als er dem Wind folgte, sah er, wie der Hase alle seine Töpfe voll Honig weinte. Und der Hase war froh, dass jemand daran Gefallen fand und weinte von da an oft für den Bären, der froh war, dass er es nun viel einfacher hatte, an seinen Honig zu kommen.

Oft saßen die beiden dann auf der Wiese und schauten in die Ferne. Einmal sagte der Hase: “Du, Bär. Ich bin gar nicht mehr so traurig. Ich danke dir, dass du diese klebrige Masse von mir immer und immer wieder ableckst. Ich glaube, das macht mich gesund. Niemand sonst mag meine vielen Töpfe. Manchmal habe ich schon andere damit beworfen, aber sie gingen weg.”

Aber als der Hase nicht mehr weinte, wurde der Bär wütend. So versuchte er, den Hasen wieder traurig zu machen und er stellte ihm Fallen. Und als der Hase ganz und gar nichts mehr in sich hatte, da schnitt der Bär ihn auf, um zu sehen, ob da irgendwo noch Honig in dem Hasen war. Und als er keinen fand, ging er zurück in den Wald und besuchte seine Freunde und dachte noch manchmal an den Hasen. “Bestimmt wächst er wieder zusammen”, dachte er. “Und dann wird wieder alles so wie früher.”

Und so schaute er manchmal nach, ob der Hase wieder zusammengewachsen war und wenn er es denn gewesen wäre, dann könnten sie für immer so weiter leben.


Man hat nie erfahren, ob der Hase wieder zusammenwuchs. Im Dorf erzählte man sich Geschichten darüber, wie der Hase wieder zusammengewachsen und ausgezogen sei, um zu lernen, was Honig sei und dass er nun arbeite in einer Fabrik, die jeden Tag ein Gläschen herstellte, aber nie mehr und nie weniger. Andere behaupteten, sie hätten gesehen, wie der Hase heimlich in Bäumen sitzend und wild schreiend, Töpfe voll Honig auf Vorbeireisende schüttete; wieder andere sagten, er habe einen Bären gesucht, um sich von ihm auffressen zu lassen. Der Bär aber suchte auch den Hasen und er fand andere Hasen und er dachte manchmal: “Wie lecker aber doch mein einer Hase war.”


Und der Untertitel der Geschichte war: Warum Narzisst und Borderliner gut zusammen passen. Und wer es wissen will, dem sei gesagt, dass der Honig in der Sprache der Psychologen narzisstische Zufuhr heißt und dass emotional instabile Hasen davon unkontrollierte Mengen herstellen.

Advertisements

2 thoughts on “Der Hase und der Bär.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s