Ohne Karte im Supermarkt: ich möchte bitte ein TRagetuch kaufen.

Winnicott (1974/1993: 74) führt weiter aus, daß das Baby ein unreifes Wesen sei, das ständig am Rande unvorstellbarer Angst stehe, die nur wenige Varianten habe, »von denen jede der Schlüssel zu einem Aspekt der normalen Entwicklung ist:

1. Zusammenbrechen,
2. unaufhörliches Fallen;
3. keine Beziehung zum Körper haben;
4. keine Orientierung haben.«                                                                                                    (Birger Dulz 1999: 31)

Heute morgen an der Kasse: Keine Karte dabei.

Weder EC, Visa, noch geografisch.

Auf dem Weg, die Karte von zu Hause zu holen, beinah in die voll befahrene Straße reingefahren.

Zwei Mal.

Versuch, mich aus dem weltentfremdeten, angstausweichenden Zustand zurückzuholen, um Alltagsfunktionalität zu gewährleisten, führte zu:

  1. Zittern, Tränen, Brüllen,
  2. Festhalten, erst am Lenkrad, dann am Treppengeländer, dann an einem Kissen;
  3. Depersonalisierungsgefühle. In den Arm Kneifen. Eiswürfel.
  4. Bankkarte, Geldbeutel, Parkhausschein nicht gefunden. Zeitgefühl verloren. Nur mit Wecker, handschriftlich verfassten Erinnerungen und deutlicher Alarmbereitschaft rechtzeitig zum nächsten Termin gekommen.

Der einzige Schutz dagegen ist – Winnicott folgend – natürlich die »haltende Funktion«: Der Säugling braucht wie alle Primaten als »Tragling« das Gehaltenwerden. (ebd.)

Ich bin 7 Monate alt.

(Bild: Codex Seraphinianus)

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