Motivationale Grundlegungsereignisse – Pöbeln oder Konfrontation mit dem Selbst

Irgendetwas ging nicht mehr. Er und ich: diese Beziehung, irgendwas war schief.

Er sagte: “Ich kann nicht mehr sehen, dass du die Mutter für meine Kinder sein könntest.”

Um beim abendlichen Gespräch mit bald heiratender, schwangerer, sehr glücklicher Freundin trotzdem geordnet und höflich zu bleiben, öffne ich die Flasche Champagner, die er per Kurier an seinem Geburtstag in Frankreich empfangen hatte, weil wir nicht zusammen an dem Tag, die er von dort wieder mitgebracht, die wir an besonderem Tag, blablablablabla. Flasche ist innerhalb von gefühlt 120, realistisch geschätzt 25 Minuten leer. Freundin bekommt immerhin nichts ganz Unangebrachtes zu hören.

Noch während des Gespräches eiere ich aus der Haustüre. Noch während des Gesprächs finde ich mich beim Whiskykaufen in der Whiskybar. Noch während des Gesprächs suche ich: wo ist denn wer?

Nirgends ist wer.

Das Gespräch mit der Freundin naht einem Ende, ich muss mich neu unterbringen. Ich bin ein triefiger Schwamm voll Gefühlsbrei. Ein Freund verlässt die Bar gerade, als ich ankomme. “Nimm mich halt mit. Vielleicht. Sei halt ein bisschen integrativ jetz.”

Oho.

Ich pöbele. Ich merke nicht, dass ich pöbele.

Er sagt: “Wie bist du denn drauf.”

Ich sage: “Führ dich halt nicht so auf, nur weil …” Bei […] bitte Beleidung einfügen, die  unter die emotionale Gürtellinie geht.

In den nächsten Tagen betrauer ich die Zeugung dieses Monsters.

Ich entschuldige mich bei allen, die von mir pöbelnd zur Optimierung von Freundschaftsdestruktionsmechanismen benutzt worden waren.

Und ich entscheide: Du hast zwei Möglichkeiten, diese Trennung zu verarbeiten. Du kannst saufen, pöbeln und alles kurz und klein schlagen, alle Menschen vergraulen und dich dabei hulkstark fühlen. Oder du kannst dich jetzt zusammenreißen. Dich diesem ganzen Scheiß stellen, endlich.

So beginnt die Aufgabe: Halte dich selbst aus. Ohne Ablenkung. Kein selbst- oder fremdverletztendes Verhalten. Kein Alkohol. Keine Pöbelei. Kein Einschließen zu Hause. Keine Promiskuität. Kein hochriskantes Fahren. Kein Binge-Eating, übergeben oder hungern. Keine Selbstbestrafungen. Auf dissoziative Zustände aufpassen. Sie annehmen. Schauen, was sie einem sagen wollen.

So beginnt die Reise durch wunderliche Welten zwischen Phantasie und Realität, fest an der Hand immer die Idee der radikalen Akzeptanz, die Augen ausgerichtet auf irgendein Vorn.

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